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Karneval als Wirtschaftsfaktor

Narren bringen 240 Mio. Euro


Lachen, Tanzen, Geld verdienen: Rund 220 Bälle und Sitzungen gehen in dieser Session über die Bühne.

Die fünfte Jahreszeit ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, von dem viele Branchen profitieren. Auf das gesamte Jahr hochgerechnet seien mit dem Karneval 3500 Jobs verbunden, schätzt CC-Geschäftsführer Jürgen Rieck.

Wenn Altweiber im Rathaus die Frauen das Regiment übernehmen, dann fällt der Startschuss für eine fünftägige Dauerparty, die der Stadt alljährlich Millionenumsätze beschert. Volle Kneipen, bunte Kostüme, Sitzungs-Marathon - „der Karneval bringt einen Mehrumsatz von 240 Millionen Euro”, sagt Jürgen Rieck, Geschäftsführer vom Comitee Düsseldorfer Carneval (CC). Eine Studie, die die Dresdner Bank jetzt vorgelegt hat, geht noch weiter: Experten rechnen darin sogar mit einer jährlichen Umsatzsumme in Höhe von 250 Millionen Euro durch die närrischen Tage.

Etwa 220 Bälle und Sitzungen gehen in dieser Session über die Bühne. „Das Winterbrauchtum ist für Düsseldorf ein finanzieller Renner”, sagt Rieck. Aufs gesamte Jahr hochgerechnet seien mit dem Karneval 3500 Jobs verbunden, insbesondere in der Gastronomie, bei Sicherheitsdiensten, in Hotels und anderen Herbergen.

Die Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH (DMT) rechnet mit tausenden Gästen, die während der närrischen Tage in die Stadt strömen. „Davon profitieren viele Branchen”, sagt DMT-Sprecher Marco Lippert. „Bei den TV-Übertragungen schauen Millionen Menschen zu - sogar im Ausland.” Denn DMT und CC vermarkten den Düsseldorfer Karneval auch international. Im vergangenen Jahr hat einer der größten US-Nachrichtensender über den Rosenmontagszug berichtet. „In diesem Jahr thematisieren wir die Städtepartnerschaft mit Moskau”, so Lippert.

Füchschen-Chef Peter König rüstet sich für den Ausnahmezustand. „Wir machen Altweiber doppelt so viel Umsatz wie an einem starken Samstag”, sagt der Präsident der Prinzengarde Rot-Weiß. Er hat an den Karnevalstagen doppelt so viel Personal im Einsatz, außerdem Sicherheitsleute und drei DJs. Aber: „Dienstags muss komplett renovieren. Das sind Kosten, die die Leute nicht sehen.”

Großer Gewinner im Narren-Treiben ist die Metro. Beim Cash&Carry-Großmarkt an der Schlüterstraße haben Vereine, Gruppen und Sponsoren tonnenweise Wurfmaterial geordert, das sie beim Rosenmontagszug unters Volk bringen wollen. „90Prozent der Karnevalisten werden von uns beliefert”, erklärt Robert „Robby” Stürtzer, Brauchtums-Beauftragter der Metro. Die Orderliste ist lang: 16Tonnen Kaubonbons, 1600 Kilo Gummibären, 1000 Kilo Lakritz-Schnecken, 1400 Kilo Schokoriegel, 10000 Mal süßer Speck, 7500Plastikbälle, 2000Plüschtiere etc. „Es wird viel mehr geworfen als im letzten Jahr”, meint Stürtzer, der von einem Plus um 20Prozent ausgeht. Umsatzzahlen will der Präsident der Großen KG Närrisch Welthus 1893 nicht nennen. Nur so viel: „Für die Metro ist der Karneval eine sehr schöne Geschichte.”

Das sieht Dennis Klusmeier, Vorstandsvorsitzender der Taxigenossenschaft, ähnlich. Bis Rosenmontag seien nahezu alle 1256 angeschlossenen Taxis im Einsatz. „Altweiber machen wir etwa 50 Prozent mehr Umsatz als in einer guten Samstagnacht”, so Klusmeier. Doch für den schlechten Januar sei das lukrative Karnevalsgeschäft „leider nur ein mäßiger Ausgleich”.