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Karneval zu Zeiten Goethes

Ehrenmitglied Nr. 1977


Jeckes Ehrenmitglied Nr 1977: Johann Wolfgang von Goethe
Jeckes Ehrenmitglied Nr 1977: Johann Wolfgang von Goethe

Gehört zur Geschichte des Düsseldorfer Karnevals

Im ausklingenden 18. Jahrhundert war die Stadt ein Mittelpunkt künstlerischen und geistigen Lebens und Schaffens. Neben vielen anderen bedeutenden Künstlern und Geistesgrößen jener Zeit gab auch der Dichterfürst dem Philosophen Friedrich Heinrich Jacubi und seinem Bruder Johann Georg, dem Dichter, auf ihrem Sitz in Pempelfort die Ehre. Bei seinem zweifachen Gastspiel, 1774 und 1792, erlebte er dort allerdings kein Karnevalstreiben. Dem nahe kam aber ein Vorschlag, den Friedrich Heinrich gerade um die Zeit eines Goethe-Aufenthalts in einer seiner kleinen Schriften machte: nämlich eine Gesellschaft des Heiteren zu gründen, in der nicht von den Übeln dieser Welt gesprochen und in allem nur die gute Seite gesehen werden sollte. Mit dem Karneval Bekanntschaft gemacht hatte der große Dichter 1788 in Rom und ihn so gepriesen: Er sei „ein Fest, das dem Volke eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst gibt". Als Goethe sich in einem seiner Werke über Kunst und Alter tum positiv über den Karneval ansließ, kam man in Köln - leider nicht in Düsseldorf - auf den Gedanken, ihn zum Dank zur Fastnachtsfeier 1825 einzuladen, also just im Jahr der Gründung des Düsseldorfer CC. Der Olympier folgte zwar nicht dem Anerbieten, dankte aber mit einem humorvollen Gedicht, aus dem ein Vierzeiler heute praktisch jedermann geläufig ist:
Loblich wird ein tolles Streben,
Wenn es kurz ist und mit Sinn;
Heiterkeit zurn Erdenleben
Sei dem flücht'gen Rausch Gewinn.

Noch fast lieber zitieren Karnevalisten die Feststellung des Dichters, nachdem er später den Karneval am Rhein tatsächlich kennen- und schätzengelernt hatte:
„Ohne Fastnachtstanz und Mummenspiel - ist am Februar auch nicht viel."
Jedenfalls: Für die Gestaltung des Karnevals in Düsseldorf, in den man wie auch andernorts eine gewisse Ordnung nach drohender Ausartung zu bringen versuchte, war neben dem Jahr 1825 nach landläufiger Ansicht 4 auch Goethe von Bedeutung. „Der Karneval 1825", meinte ein Schriftsteller sogar, „hat im Zeichen Goethes gestanden."

Nicht besonders erbaut schien der greise Dichter und Staatsminister jedoch gewesen zu sein, als ihm die Dülkener „Erleuchtete Monduniversität und berittene Akademie der Künste und Wissenschaften", zu der die Düsseldorfer Narren gute Beziehungen unterhielten, ohne vorherige Rückfrage einige jecke Ehrungen zuteil werden ließ. Ende 1828 wurde dem greisen Herrn in Weimar eine merkwürdige Sendung zugestellt, die Schriften, Preisaufgaben, Orden und ein Diplom enthielt, das den Dichter und Staatsminister zum „Ehrendoktor und Ritter des jungen Lichts" ernannte. Absender: die „Monduniversität". Hatte sich da jemand einen unziemlichen Scherz erlaubt? Goethe selbst, außerdem zum Ehrenmitglied Nr. 1977 der Dülkener Hochschule erhoben, glaubte das wohl nicht. Er verschnürte die Sendung und schrieb darauf: „Rheinische Absurdität!" Dann legte er alles in eine Schublade seines Schreibtischs. Erst nach seinem Tod fand man dort die närrischen Utensilien...

(Anmerkung: Bild Goethe-Buche aus dem Malkasten noch einfügen)