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Karneval zu Zeiten Heines

Harry Heine und die Narrenjacke


Heinrich Heine, um 1825
Heinrich Heine, um 1825

„Die Woche des Karnevals - wunderbare, bunte, klingende, lärmende Tage, laut lachende, singende, fröhlich lärmende Straßen, helle, bunte Trachten, Masken, Fuhrwerke mit Verkleideten." So hat der - 1998 verstorbene - russische Schriftsteller Lew Kopelew, Träger des NRW-Staatspreises, den Winterbrauch zu Heinrich Heines Zeiten in Düsseldorf beschrieben. Ganz zweifellos hatte auch der junge Heine, damals noch „Harry" gerufen, seinen Spaß an der Freud'.
„Schön waren auch die Sommerferien und die Johannisnacht, die kürzeste Nacht im Jahr, wenn über dem Rhein Feuer brannten und bis zum Morgen Lieder erklangen", schreibt Kopelew in seiner Heine-Biographie „Ein Dichter kam vom Rhein". „Aber die Karnevalswoche war vielleicht noch besser als alle Ferien, alle Feste, weil in diesen Tagen am meisten Unerwartetes, Unvorhergesehenes geschah, weil die lustigen Einfälle kein Ende nahmen und die Freiheit keine Grenzen kannte... Auf den Straßen riefen sich die Maskierten ausgelassene Späße zu, arme Plebejer lachten über den reichen Adel, Kinder über die Erwachsenen, und alle duzten einander. Man konnte, während man unter der Pappmaske errötete, auf der Straße eine geheimnisvolle Schöne in einer Samtmaske umarmen, und sie lachte nur; man konnte sie sogar küssen, und sie lachte noch lauter...