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Karneval auf der Burg

Zolleinnahmen fürs närrische Vergnügen


Modell des Düsseldorfer Schlosses, in dem auch Kurfürst Johann Wilhelm rauschende närrische Feste feierte. Links der Schloßturm
Modell des Düsseldorfer Schlosses, in dem auch Kurfürst Johann Wilhelm rauschende närrische Feste feierte. Links der Schloßturm

Im Mittelalter wurde jedenfalls auch in Düsseldorf schon Fastnacht gefeiert. Erstmals urkundlich erwähnt, heißt es, sei er hier 1386, also fast hundert Jahre nach Erhebung des Dorfes zur Stadt - ein Beleg dafür hat sich allerdings im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv, wo er hinterlegt sein soll, nicht finden lassen. Sicher scheint dennoch, daß schon zu Zeiten des Herzogs Wilhelm von Berg (1360-1408), der sich wie auch spätere Landesfürsten wintertags gern in der Residenzstadt aufhielt, am Pastelabend Mummenschanz mit Tanz und Schmaus im Schloß veranstaltet wurde. Im Schloß, damals eher eine Burg, die man zeitweilig schon vor dem geschichtsträchtigen Jahr 1258 erbaut glaubte, die tatsächlich aber erst seit 1360 nachweisbar ist, ging es zur Fastnachtszeit hoch her. „Karneval am herzoglichen Hofe war für den bergischen und jülichschen Adel immer das Ereignis des Jahres, das die will kommene Abwechslung in das ihm sonst zu eintönig werdende Leben auf seinen Wasserburgen und Bergschlössern brachte", ist von kundiger Feder überliefert. In einem Schreiben von 1423 antwortet Ritter Richard Hürth von Schöneck - auch ein Beweis dafür, daß es im Schloß bzw. in der Burg karnevalistisch zuging - Wilhelms Nachfolger Herzog Adolf, daß er mit den F Icrrcn von Mocrs und von Virnburg der Einladung zu einer Fastnachtsgesellschaft nach Düsseldorf nicht folgen könne, da er bereits selber zu derlei fröhlichem Treiben nach Manderscheid gebeten habe.

Daß die Ausschmückung der Räume, die Herrichtung der Unterkünfte an der Düssel für die vielen Gäste und die Bewirtung mit erlesenen Speisen und Getränken tief ins Geld gingen, läßt unter anderem ein Brief von Herzog Gerhard aus dem Jahre 7440 ahnen. Der-später unheilbar geisteskranke - Landesvater, der Düsseldorf durch Verleihung etlicher Privilegien weiter verstädterte, ging bei der Gelegenheit den Zoll um Bereitstellung von Mitteln an: Aus ihren Einnahmen sollten teilweise die Kosten für den jecken Spaß bei Hofe bestritten werden. Das Volk, die dünne Oberschicht des Hofadels und anderer Adliger ausgenommen, hatte nicht viel von den höfischen Vergnügen. Um 1440 gab es dank der Eingemeindung von Golzheim, Derendorf, Bilk und Hamm immerhin schon mehr als 2000 Einwohner - viermal so viel wie 1288, als das zur Stadt erhobene Dorf gerade mal so groß war wie ein heutiger Fußballplatz.