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Neue Herren

Das nationalsozialistische Regime grub seine braunen Spuren, wie überall, auch ins Brauchtum.


Gleichschaltung, auf Parteikurs bringen, war die Parole. Der politischgesellschaftliche Pluralismus wurde zugunsten der NS-Bewegung und ihrer Ideologie aufgehoben. Man ging beim Karneval aber nicht mit dem Holzhammer zu Werke, sondern paßte ihn sich schleichend nach und nach an.

"Seinen Traditionen nach hätte der Karneval 1933 mit großen Schwierigkeiten rechnen müssen", meinte der - 1992 verstorbene - Historiker Prof. Peter Hüttenberger von der Heinrich-Heine-Universität und erinnerte daran, daß der Staat diesen Zweig des Brauchtums im 19. Jahrhundert stets mit Mißtrauen verfolgt und mit Verboten traktiert hatte. 1934 aber "lebte der Karneval in Düsseldorf nach den depressiven Zeiten der Wirtschaftskrise wieder auf".

Unter dem politisch beeinflußten Motto "Onger ene Hot" wurden einige rauschende Bälle gefeiert und Sitzungen abgehalten. Der Rosenmontagszug, der endlich wieder zog, war so pompös wie lange nicht. Hinzu gesellte sich als Novum die "Närrische Parade" am Fastnachtssonntag vor dem Prinzen Karneval und seiner Venetia auf dem Hindenburgwall, der heutigen Heinrich-Heine-Allee, ein Volkstrubel, der sich in etwas anderer Form längst auf die östliche Seite der Königsallee verlagert hat. Zur Auftaktveranstaltung in der Tonhalle erschienen auch hohe Vertreter der Partei, der Stadt, der Regierung.

Man wolle, wurde allseits versichert, dem Karneval nach Jahren des Kampfes um Zuschüsse nach Kräften helfen. "So können wir in freudiger Erwartung zu neuen Taten rüsten, in kämpferischer Liebe zu Heimat, Volk und Führer", jubelte ein Oberjeck in einer Heimatzeitschrift.

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