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Seniorenprinz

Krönung einer Jeckenkarriere



Ernst F. Wolter ist mit 71 Jahren nach 53 Jahren jecken Treibens doch noch in den karnevalistischen Adelsstand erhoben worden. Er ist der erste Seniorenprinz der Landeshauptstadt.

Die Wohnung von Ernst F. Wolter in der Kantstraße sieht genau so aus, wie man sich die Kultstätte eines bekennenden „Karnevalssüchtigen“ vorstellt, nur noch’n bisschen jecker: Schon im kleinen Flur blinken im Licht der Deckenlampe von allen Seiten Orden auf. Dicht an dicht hängen mehr oder minder vergilbte Fotos und Urkunden. Das setzt sich bis ins Wohn- und Gästezimmer fort, das einem Museum gleichkommt. Die Kapazität von zwei Glasvitrinen waren offenbar schnell erschöpft, jetzt baumeln die Orden bündelweise an einfachen Holzleisten. „In 53 Jahren kommt so einiges zusammen“, kommentiert Wolter seine Karnevalskollage.

Außerdem könne er weiße Flecken nicht vertragen. Auf den Seiten des Pressepiegels, den er für das jeweilige Prinzenpaar der Session erstellt, füllte er etwaigen Weißraum immer mit einem Vereins-Emblem auf. „Ist ein bisschen wie ein Poesiealbum“, sagt er. Auf den zugepflasterten Wänden sind allenfalls noch die Fugen frei.

Kürzlich hat Wolter, der in 15 bis 20 Karnevalsvereinen Ehrenmitglied oder Ehrensenator ist, mit einem Grundsatz gebrochen: Prinz werden wollte er nie, weil er als Büttenredner in 35 Jahren genug ausgelastet war. Im November kürten ihn die Oberkasseler „Puppekööp“, ein recht junger Verein, zum ersten Seniorenprinzen der Stadt Düsseldorf. Vera Osterland (65) heißt seine Venetia. „Das ist keine Persiflage auf das offizielle Prinzenpaar“, betont Wolter. „Wir wollten einfach auch etwas für die älteren Leute machen“. In Oberkassel gebe es ja etliche Altenheime und Seniorenresidenzen. Bisher habe er es immer vermocht, jeden „seiner“ Vereine im Laufe der Session zu besuchen. In einem Pappkarton verwahrt er dafür etwa 20 Kappen. „Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man dazu jeweils die richtige trägt“. In diesem Jahr wird er wohl vor allem die alte, mit Glassteinen besetzte Mütze aus Bad Breisig aufsetzen, die er mit langen Fasanenfedern aufgemöbelt zur Prinzenkrone erkoren hat.

Für Wolter ist wahrhaftig das ganze Jahr Karneval, er sei eben „Berufskarnevalist“. Denn nach Aschermittwoch ist er über Monate zunächst mit der Rückschau auf die vergangene Session beschäftigt, fertigt für das Prinzenpaar reich bebilderte Pressespiegel gleich in mehrfacher Ausführung an. Über das dabei verbrauchte Material und die Arbeitsstunden führt er jedes Mal peinlich genau Buch. Und als Chef vom Dienst wirkt er dann an der Produktion des neuen Narrenspiegels, dem offiziellen Presseorgan des Comitees Düsseldorfer Carneval, mit. In einer Ecke hängt sein „Arbeitsplan“, der Terminkalender des CC, und eine Übersicht über die Rosenmontage der nächste Jahrzehnte.

Ansonsten bietet er historische Führungen im Karnavalsmuseum in der Altstadt an, dem er übrigens bereits seine gesammte Sammlung notariell vermacht hat. Ob er wie in den Jahren 2005/06 den Rosenmontagszug auf der Kö moderieren wird, weiß er noch nicht. „Das entscheidet sich kurzfristig“.